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Liederlexikon

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You are here: Home Lieder Kommt ihr Brüder, wir wollen ziehen Edition E: Argentinien 1937
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E. Kommt, ihr Gebrüder, laßt uns ziehen

(Argentinien 1937)

 
Text und Melodie: anonym
 

Scan der Editionsvorlage
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Auswandererlied.

1.Kommt, ihr Gebrüder, laßt uns ziehen!
Unsre Päß sein schon geschrieben.
Fort nach dem brasilischen Ort,
weil es gibt kein Winter dort!
 
2.In Rußland könnt man auch noch leben,
wenn man kein Soldat bräucht geben.
Nur als Ratnik müssen wir stehen.
Drum wollen wir aus Rußland gehn.
 
3.Der russische Kaiser hats beschlossen,
er wollt uns all aus Rußland lossen.
Er hats uns ja auch frei gestellt,
weil wir ziehen für unser Geld.
 
4.Und als wir nach Stadt Hamburg kommen,
wurd uns dort das Geld genommen.
Wann wir fahren auf dem Meer,
sein uns alle Säcke leer.
 
5.Und als wir in das Schifflein steigen,
tat uns Gott die Gnad verleihen.
Und als wir fahren auf dem Meer,
schwebt ein Engel vor uns her.
 
6.Und als wir auf dem Wasser fahren,
tut uns Gott, der Herr, bewahren.
O Gott, strecke aus deine milde Hand,
daß wir kommen an das Land!
 
7.Und als wir an das Land ankamen,
steigen wir ab in Gottesnamen
und fallen nieder auf unser Knie,
danken Gott in aller Früh.
 
8.Trauben wachsen hinter den Zäunen,
Pfirsiche an den hohen Bäumen,
Aepfel, Feigen, die sind rot,
Hilf uns Gott aus aller Not!


Thomas Kopp: Rußlanddeutsches Liederbuch. Buenos Aires: Deutscher Volksbund für Argentinien 1937, S. 87f. (Liedtext); sowie ders.: Das rußlanddeutsche Lied. In: Jahrbuch des Deutschen Volksbundes für Argentinien 1938, S. 44–51, hier S. 50f. (Melodie).
DVA: V 1/10428, a und Kaps. Vld. fol I (Kopp)

Dort folgende Worterläuterung: "Ratnik: Landwehrmann" (zu Str. 2).


Editorische Anmerkung:
Thomas Kopp gibt in seinem Liederbuch folgende Kontextinformationen zum Liedtext:
"Die Einführung der Wehrpflicht war einer der Gründe zur Auswanderung. Ein alter hiesiger Kolonist erzählte mir stolz, daß er dabei war, als man dieses Lied in Rußland dichtete." (Rußlanddeutsches Liederbuch 1937, wie oben, S. 88)
Zur Melodie des Liedes hielt Kopp zudem fest:
"Auf die Weise von 'Kommt, ihr Gebrüder' wurde mir auch das vorher angeführte 'Amerika ist ein verrücktes Land' vorgesungen." (Das rußlanddeutsche Lied 1938, wie oben, S. 51)
Mit dem Hinweis auf das "vorher angeführte" Lied „Amerika ist ein verrücktes Land" bezieht sich Kopp auf den Abdruck dieses Liedtextes in seinem Aufsatz (ebd., S. 46f.). Das im Jahr zuvor erschienene Liederbuch Kopps enthält noch eine weitere Textvariante zu diesem Lied ("Amerika, du verrücktes Land", Rußlanddeutsches Liederbuch 1937, wie oben, S. 108f.).

Kopps Aufzeichnung dieses Liedes in der Sammlung des Deutschen Volksliedarchivs (Sign. A 161616) weist gegenüber der vorliegenden Edition nur wenige Abweichungen auf: sie enthält die Zusatzinformation "vorgesungen in d-dur" und in Takt 4 ist der letzte Ton mit Fermate notiert. Diese Fermate wurde in vorliegender Edition in eckiger Klammer ergänzt.
Kopp wollte mit solchen Fermaten "die Willkürlichkeit des Taktes, wie sie in den rußlanddeutschen Liedern oft wiederkehrt" kenntlich machen: "Die Sänger dehnen da, wo es ihnen gefällt. Ich habe solche 'Lieblingsstellen' durch die Fermate angedeutet. Meistens können hier zumindest ganze Noten stehen." Thomas Kopp: Die große Frage. Volkskundliche Beobachtungen in einer rußland-deutschen Kolonie Argentiniens. In: Jahrbuch des Deutschen Volksbundes für Argentinien 1937, S. 68–81, dort S. 73. Kopp war sich der Problematik solcher Melodietranskriptionen durchaus bewusst und schilderte ausführlich, wie ungenügend sie letztlich die tatsächlichen musikalischen Gegebenheiten dieser Lieder wiedergeben.
last modified 17.03.2016 11:08
 

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