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Liederlexikon

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You are here: Home Lieder Auf, du junger Wandersmann Edition B: Erstveröffentlichung mit Singweise 1855
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B. Auf, ihr Brüder, seyd wohl daran!

(Erstveröffentlichung mit Singweise 1855)


Text und Melodie: anonym

Scan der Editionsvorlage
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Wanderlied.

1. Auf, ihr Brüder, seyd wohl daran!
Jetzo kommt die Wanderzeit heran,
Ja Wanderzeit
Die gibt uns Freud!
Auf die Reise woll'n wir uns begeben,
Das ist unser schönstes Leben;
Große, große Wasser, über Berg und Thal,
Zu beschauen überall.
 
2. An dem schönen Donaufluß
Findet man ja seine Lust,
Ja seine Freud'
Auf grüner Heid';
Wo die Vöglein lieblich singen,
Und die Hirschlein fröhlich springen;
Dann kommt man vor eine Stadt,
Wo man gute Arbeit hat.
 
3. Mancher der hintern Ofen sitzt,
Zwischen den Fingern die Ohren spitzt,
Keine Stund' fürs Haus
Ist kommen aus:
Den soll man als Gesell erkennen,
Oder gar als Meister nennen?
Der nichts weiß, als von der Stadt,
Wo er drin gelernet hat?
 
4. Mancher der wol auf der Reis'
Ausgestanden Angst und Schweiß,
In Noth und Pein, –
Das muß so seyn: –
Trägt sein Felleisen auf dem Rucken,
Hat's getragen über tausend Brucken;
Dann kommt er nach Insbruck 'nein,
Da trinkt er Tyrolerwein.
 
5. Wann der Sonntag kommt herbei,
Daß wir Brüder beisammen seyn:
Da geht dann
Das Reden an
Von den fremden Ländern, die man gesehen,
Daß ein möcht' das Herz zergehen.
Das ist unsre größte Freud',
Burschen die das Reisen freut.
 
6. Morgens wann der Tag angeht
Und die Sonn' am Himmel steht,
So herrlich roth
Wie Milch und Blut:
Auf, ihr Brüder, laßt uns reisen,
Und den Herrn mit Danke preisen,
Hier in dieser Wanderzeit
Bis in unsre Ewigkeit. –


Franz Wilhelm Freiherrn von Ditfurth: Fränkische Volkslieder mit ihren zweistimmigen Weisen, wie sie vom Volke gesungen werden, aus dem Munde des Volkes selbst gesammelt. Zweiter Theil: Weltliche Lieder. Leipzig: Breitkopf und Härtel 1855, S. 228 (Nr. 298).
DVA: V 1/2490

Dort folgende Herkunftsangabe: "Würzburg."; sowie die Anmerkung: "Der Schluß des dritten Gesätzes [der dritten Strophe] auch so:
Der noch nirgends ist gewest,
Stets gesessen in sein Nest."


Editorische Anmerkung:
Im Nachlass von Ditfurths findet sich auch eine nach 1835 entstandene handschriftliche Aufzeichnung des Liedes, die als Vorlage seiner Edition in den "Fränkischen Volksliedern" gedient haben dürfte, sich von dieser aber stark unterscheidet. Die bearbeitenden Eingriffe gehen sicherlich auf Ditfurth selbst zurück. Der Liedtext lautet in der handschriftlichen Aufzeichnung:

[1] Auf ihr Brüder seyd wol daran,
Jetzo kommt die Wanderzeit heran.
Auf der Reise woll'n wir uns begeben,
Das ist unser schönstes Leben.
Große, große Wasser, über Berg und Thal
Zu beschauen überall.

[2] An dem schönen Donaufluß
Findet man ja seine Lust,
Ja seine Freud auf grüner Heid,
Wo die Vöglein lieblich singen
Und die Hirschlein fröhlich springen
Wo die Fischlein fromme schwimmen
Und die schönen Lerchlein singen
Dann kommt man vor eine Stadt
Wo man gute Arbeit hat.

[3] Mancher der hintern Ofen sitzt
Zwischen Fingern und Ohren schwitzt
Keine Stund fürs Haus ist kommen aus.
Mancher der wol auf der Reis'
Ausgestanden hat Angst und Schweiß
In Noth und Pein das muß so seyn
Trägt sein Felleisen auf den Rücken
Hats getragen über tausend Brücken
Dann kommt er nach Hamburg hinein
Da trinkt er Tyroler Wein.

[4] Wenn der Sonntag kommt heran
Daß wir Brüder beysammen seyn
Dann geht nun das Reden an
Von fremden Ländern zu erzählen
Daß ein möchte das Herz zergehn


Der nichts weiß als von der Stadt
Wo er drin gelernt hat.


Franz Wilhelm von Ditfurth – Literat und Liedersammler, Bd. III: Die Lieder des Nachlasses, Teil 1. Hrsg. von Horst Steinmetz und Armin Griebel. Walkershofen 1992 (Veröffentlichungsreihe der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik 50/III,1), S. 182f.
Die sechste Strophe des Druckes ergänzte Ditfurth möglicherweise in Anlehnung an eine variante, bereits 1851 publizierte Fassung des Liedtextes; vgl. Die deutschen Volkslieder. Gesammelt von Karl Simrock. Frankfurt a. M. 1851, S. 428f. (Nr. 279) u. S. 611 (Anmerkungen).
last modified 12.10.2011 10:52
 

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