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Liederlexikon

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You are here: Home Lieder Der Hecker ist gekommen in den Schwarzwald hinein Edition B: Lieddruck 1856
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B. Als Hecker ist kommen in den Schwarzwald hinein

(Lieddruck 1856)


Text: anonym

Scan der Editionsvorlage
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1.Als Hecker ist kommen
In den Schwarzwald hinein,
Der Kaiser von Deutschland
Das wollt er gleich sein.
 
2.Die Kron und den Zepter
Das hätt er gern gehabt,
Da habn ihn da habn ihn
Die Soldaten ertappt.
 
3.Den Zweck zu erreichen
Schickt er sein Adjutant,
Der gibt als Verräther
Dem General die Hand.
 
4.Als er sich gewendet
Zu seiner frechen Rott,
Da schossen die Schurken
Den General zu todt.
 
5.Jetzt kommen Dragoner
Und die Hessen in Wuth, |[S. 497]
Sie kämpfen wie Löwen,
Bis mächtig floß das Blut.
 
6.Da laufen die Feigen
Alsbald in die Flucht,
Und warfen ihre Waffen
Hinein in die Fluth.
 
7.Gelt Hecker, gelt Hecker,
Das Blatt hat sich gewendt,
Du hast ja bei Kandern
Dein Schnurrbart verbrennt.
 
8.Den Schnurrbart verbrennt
Und die Sensen verlorn,
Gelt Hecker, gelt Hecker,
Jetzt kommen die Morn!
 
9.Ihr König und Kaiser,
Mit dem Hecker ists aus –
Was bekommen Soldaten,
Wenn sie kommen nach Haus?
 
10.Sie haben ja gekämpft
Für das deutsche Parlament,
Und Deutschland zu Ehren,
Von vielen erkennt.


H. R. Hildebrand (Hrsg.): Friedrich Leonard von Soltau's historische Volkslieder, aus Soltau's und Leyser's Nachlaß und anderen Quellen. Bd. 2. Leipzig 1856, S. 496f. (Nr. 96).
DVA: V 1/20725-2

Dort folgende Herkunftsangabe: "Von Hessen-Darmstädtischen Soldaten gesungen, mir mitgetheilt von W. v. Plönnies; derselbe schrieb mir dazu: 'Wir Darmstädter sind damals innerhalb eines Jahres dreimal in Baden eingerückt, Frühjahr 1848 gegen Hecker – mein Regiment stürmte damals Freiburg, ein anderes schlug Hecker bei Kandern – Herbst 48 gegen Struve, Frühjahr 49 wieder gegen Struve.' Man sieht, in den Regimentern war durch die dreißig Friedensjahre der alte soldatische Schlachtenton doch nicht abhanden gekommen, höchstens etwas gedämpft."


Editorische Anmerkung:
Bei dem Informanten handelt es sich um den hessischen Major und Militärschriftsteller Wilhelm von Ploennies (1828–1871). Die Liedüberschrift lautet in Hildebrands Edition: "Das Treffen bei Kandern. 20. April 1848."
Die Strophen 5, 6 und 10 sind nicht in der Aufzeichnung von 1851 (Edition A) enthalten. Dafür fehlen in der oben edierten Version die dortige Eingangsstrophe sowie die Strophe, in der Mädchen und Wein als Belohnung genannt werden (Edition A, Str. 9).
Der oben edierten Textversion ähnlich ist ein weiterer Beleg, den Franz Wilhelm von Ditfurth damals "mündlich nebst Mel. in Unterfrancken" aufgezeichnet hat. Auffällige Unterschiede sind lediglich, dass Dithfurts Version zum einen auch eine einleitende Bänkelsängerstrophe ("Hört Leute, hört Leute, was ich euch erzäh'") – siehe Edition A – enthält und zum anderen einen anderen Vers am Ende von Strophe 8: "Gelt Hecker, gelt Hecker, im Schweizer Canton!" (Str. 9 bei Ditfurth); statt der etwas kryptischen Zeile "... Jetzt kommen die Morn" wird hier auf das Schweizer Exil von Hecker angespielt; s. Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth: Historische Volkslieder der Zeit von 1756 bis 1871. Zweiter Band: Die Historischen Volkslieder von 1815 bis 1866 (Abt. IV.). Berlin 1872, S. 96 (Nr. 67 – nur Text, die von ihm erwähnte Melodie hat Dithfurt nicht ediert) und S. 221 (Kommentar).
Auch eine deutlich später, in der Zeit um 1900 von Johann Philipp Glock in "Riedlingen bei Kandern" (also ganz in der Nähe des historischen Ortes) aufgezeichnete Fassung entspricht – ungeachtet verschiedener Detailvarianten – dieser Textversion: Glocks Aufzeichnung enthält ebenfalls die einleitende Strophe und eine Versalternative zum Ende von Str. 8: "Gelt Hecker, gelt Hecker, dich haben sie g'schor'n" (Str. 9 bei Glock); s. Johann Philipp Glock: Badischer Liederhort. Eine Sammlung der bekanntesten und schönsten Volkslieder der Badischen Heimat nach Wort und Weise aus dem Munde des Volkes. Band I: Die historischen Volkslieder des Großherzogtums Baden. Karlsruhe 1910, S. 116f. (Nr. 84) und S. 267 (Anmerkung).
Die Textfassung von Glock wurde wiederum übernommen von John Meier: Lieder auf Friedrich Hecker. In: Ders.: Volksliedstudien. Straßburg 1917, S. 214–246, dort S. 238.

Auffällig ist, dass die letzte Strophe dieser Version – in welcher den Soldaten bescheinigt wird, dass sie "für das deutsche Parlament" und "Deutschland zu Ehren" gegen Hecker gekämpft hätten – nur in den gedruckten Ausgaben (von Aufzeichnungen dieses Liedes aus mündlicher Überlieferung) wie Hildebrand 1856, Ditfurth 1872, Glock 1910 und Meier 1917 auftaucht, während in den ungedruckten Lied-Quellen, die in der Fassung ihrer unmittelbaren Tradierung vorliegen (s. Edition A, Edition C und Edition E), diese Strophe nie enthalten ist – dort ist stattdessen stets von Mädchen und Wein als "Lohn" für die Soldaten die Rede.
last modified 13.10.2011 01:32
 

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