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Ein Jäger längs dem Weiher ging


Das Scherzlied "Ein Jäger längs dem Weiher ging" entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Kontrafaktur einer Sagenballade Anton Wilhelm von Zuccalmaglios. Es besingt einen Jäger, der sich vor einem Hasen ängstigt. Zunächst nur in einigen Schulliederbüchern belegt, hat "Ein Jäger längs dem Weiher ging" im 20. Jahrhundert weite Verbreitung gefunden.

I. Das Scherzlied "Ein Jäger längs dem Weiher ging" ist eine Kontrafaktur der von Anton Wilhelm von Zuccalmaglios verfassten Sagenballade "Der Jäger längs dem Weiher ging", die zuerst 1835 veröffentlicht wurde, jedoch keine breitere Bekanntheit erlangte. Der Urheber der Umdichtung ist unbekannt, nicht ermitteln ließ sich zudem, wann und in welchem Rahmen die Kontrafaktur erstmals erschien. Vermutlich entstand "Ein Jäger längs dem Weiher ging" um 1850 als Lied für den Schulgesangsunterricht; entsprechend war es wohl auch ein Lehrer, der Zuccalmalglios Text umschrieb. Vor 1900 jedenfalls ist "Ein Jäger längs dem Weiher ging" ausschließlich in Schulliederbüchern enthalten (Edition A), Rezeptionsbelege aus anderen Kontexten fehlen.

II. Das Scherzlied "Ein Jäger längs dem Weiher ging" handelt von einem Jäger, der nächtens einem im Gras raschelnden Hasen begegnet, dessen Augen "froh" im Mondschein leuchten. Der Jäger hält den Hasen für ein Untier oder einen Kobold, läuft vor Angst zum Wald hinaus und verkriecht sich in seinem Jägerhaus. Wesentlichen Anstoß zur Umdichtung der Sagenballade "Der Jäger längs dem Weiher ging" (in der eine gänzlich andere Geschichte erzählt wird) dürften die eingängig-heitere Melodie der Vorlage sowie deren Refrain gegeben haben, der – genau besehen – zur Kontrafaktur inhaltlich durchaus stimmiger passt ("Lauf, Jäger, lauf…").

III. Ab etwa 1910 wurde das Scherzlied "Ein Jäger längs dem Weiher ging" in eine Reihe von Liederbüchern der Wandervogel- und Jugendbewegung aufgenommen (Edition B), womit es in allgemeineren Gebrauch auch jenseits des Schulbetriebs kam. Hier pflegte man es allerdings nach wie vor, wie eine Aufzeichnung aus den 1920er Jahren zeigt, die ein von Schülern zum Lied vom furchtsamen Jäger gespieltes Kreisspiel überliefert (Edition C). In Liederbüchern der NS-Zeit ist "Ein Jäger längs dem Weiher ging" nur relativ selten belegt. Eine breite Rezeption erfuhr das Scherzlied nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch auf zahlreichen Tonträgern ist es bis in die jüngste Vergangenheit erschienen. 1967 veröffentlichte Dieter Höss eine Parodie des Liedes (Edition D), mit der er den Werbeslogan für das seinerzeit meistverkaufte Auto, den VW-Käfer, aufs Korn nahm ("Er läuft und läuft und läuft…").

TOBIAS WIDMAIER
Quellenrecherche: ANNETTE KRÄTER
(September 2012)



Editionen und Referenzwerke

Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: kaum Aufzeichnungen aus mündlicher Überlieferung
  • Gedruckte Quellen: sehr häufig in Gebrauchsliederbüchern (überwiegend nach 1950)
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: viele Tonträger
Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Deutschen Musikarchivs (Leipzig) miteinbezogen.



Zitiervorschlag
Tobias Widmaier: Ein Jäger längs dem Weiher ging (2012). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/ein_jaeger_laengs_dem_weiher_ging/>.


© Deutsches Volksliedarchiv

last modified 31.01.2013 04:22
 

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