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Kaiserin Katharina hat geschworen


Das Soldatenlied "Kaiserin Katharina hat geschworen" wurde vermutlich um 1874 von einem russlanddeutschen Autor verfasst. Es thematisiert das Ende der Befreiung von der Militärpflicht für russlanddeutsche Siedler im zaristischen Russland – eines von mehreren Privilegien, die den deutschen "Kolonisten" in diesem Zeitraum aberkannt wurden (s. dazu auch "Das Manifest der Kaiserin" und "O du schön Saratow"). Um 1930 war das Lied weitgehend in Vergessenheit geraten.

I. "Kaiserin Katharina hat geschworen" entstand vor dem Hintergrund der politischen Reformen unter Zar Alexander II., die für die deutschen Siedler in Russland gravierende Veränderungen mit sich brachten. Zwischen 1871–1874 wurden den Russlanddeutschen sukzessive all jene Privilegien aberkannt, mit denen ihnen rund 100 Jahre zuvor Katharina II. die Ansiedlung in Russland schmackhaft gemacht hatte. Ein Aspekt war die Befreiung von der Militärpflicht, die ab 1874 aufgehoben wurde. In der ersten Strophe wird dieser historisch-politische Rahmen umrissen, allerdings mit kurios verdrehten Fakten: im Lied ist es "Kaiserin Katharina", die die Deutschen zum Militärdienst verpflichtet, nicht Alexander II. Dieser ersten folgen vier weitere, textlich analog gestaltete Strophen, in denen der Rekrut von seinen nächsten Angehörigen – der Schwester, dem Bruder, den Eltern und der Ehefrau – Abschied nimmt und beklagt, nun als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen (Edition A).

II. Über den Verfasser und den Entstehungszeitraum des Liedes sind keine Informationen überliefert. Vermutlich wurde der Text Mitte bis Ende der 1870er Jahre, als die Aberkennung der Privilegien ein aktuelles Thema unter den Russlanddeutschen war, verfasst. Der anonyme Autor hat sich bei der Formulierung des Liedtextes ganz offensichtlich an dem damals weithin populären Soldatenlied "O du Deutschland, ich muß marschieren, o du Deutschland, ich muß fort!" ("Abschied von Deutschland", Erk/Böhme Nr. 1375) orientiert, das ebenfalls eine Sequenz von Abschiedsstrophen – hier: Vater, Mutter, Schwester, Mädchen – mit fast gleichlautender Formulierung enthält: "Nun ade, herzliebster Vater, nun ade, so lebet wohl!". Die bislang einzigen Belege des Liedes wurden um 1920 von Pater Peter Weigel (Text) und Pater A. Baumtrog (Melodie) aufgezeichnet. Möglicherweise war das Lied nie über die Wolgaregion hinaus verbreitet gewesen und geriet ab 1930 vollends in Vergessenheit.

INGRID BERTLEFF
(Dezember 2009)



Editionen und Referenzwerke

Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: —
  • Gedruckte Quellen: Einzelbeleg aus mündlicher Überlieferung
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: —
Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Phonogrammarchivs St. Petersburg (IRLI) und des Deutschen Musikarchivs (Leipzig) miteinbezogen.



Zitiervorschlag
Ingrid Bertleff: Kaiserin Katharina hat geschworen (2009). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/kaiserin_katharina_hat_geschworen/>.


© Deutsches Volksliedarchiv
last modified 16.09.2013 12:52
 

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