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You are here: Home Lieder Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag Edition A: Georg Herwegh 1845
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A. Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag

(Georg Herwegh 1845)


Text: Georg Herwegh (1817–1875)

Scan der Editionsvorlage
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O wag' es doch nur Einen Tag!

1. Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag,
    Im Zorneswetterschein!
O wag' es doch, nur Einen Tag,
    Nur Einen, frei zu sein.
Und ob der Sieg vor Sternenlicht
    Dem Feinde schon gehört –
Nur Einen Tag! Es rechnet nicht
    Ein Herz, das sich empört.
 
2. O wart' in deiner tiefen Noth
    Auf keinen Ehebund';
Wer liebt, der gehet in den Tod
    Für eine Schäferstund':
Und wer die Ketten knirschend trug,
    Dem ist das Sterben Lust
Um Einen freien Athemzug
    Aus unterdrückter Brust. |[verso]
 
3. Mag düstre Weisheit fort und fort
    Nur Tod und Schrecken sehn,
Dem Volk soll vor Prophetenwort
    Der Ruf der Ehre gehn.
Horch' auf, der letzte Würfel fällt,
    Dein Abend er ist nah,
Noch Einmal stehe vor der Welt
    In deiner Größe da!
 
4. O tilg' nur Einen Augenblick
    Aus deiner Sklaverei,
und zeig' dem grollenden Geschick,
    Daß sie nicht ewig sei;
Erwach' aus deinem bösen Traum:
    Reif ist, die du gesucht,
Und schüttle nicht zu spät vom Baum,
    Wenn sie gefault, die Frucht.
 
5. Wach' auf! wach' auf! die Morgenluft
    Weht mahnend an dein Ohr,
Aus deiner tausendjährigen Gruft
    Empor! mein Volk, empor!
Laß kommen, was da kommen mag –
    Blitz' auf, ein Wetterschein!
Es ist so schön, nur Einen Tag
    Ein freies Volk zu sein.


G[eorg] Herwegh: O wag' es doch nur Einen Tag! Flugblatt (Einblattdruck), o. O. u. J. [1845]. (Original: Dichter- und Stadtmuseum Liestal, Schweiz, Signatur Z H 2).
DVA: Bl 13483


Editorische Anmerkung:
Das Flugblatt mit Herweghs Gedicht wurde im Mai 1847 aus dem Kreis der deutschen Emigranten in Frankreich an den preußischen Kultusminister Johann Albrecht Friedrich von Eichhorn geschickt (Reproduktion des Faksimile online im Rahmen der Georg Herwegh-Edition).

Im Revolutionsjahr 1848 erschien Herweghs Gedicht in Zeitschriften wie
listenpunkt_blau   Freikugeln. Blätter für ernste und heitere Unterhaltung (Leipzig) 7 (1848), Nr. 60 (13. April);
listenpunkt_blau   Jahreszeiten. Hamburger Neue Mode-Zeitung 7 (1848), I. Band (Januar–Juni), S. 562;
sowie im "Deutschen Liederbuch" von Julius Schanz und Carl Parucker (siehe Edition B).

Herwegh hat das Gedicht zu Lebzeiten in keines seiner Bücher aufgenommen. Es erschien erst in dem nach seinem Tode herausgebrachten Band "Neue Gedichte" (Zürich 1877). Bemerkenswert ist dort vor allem die Änderung des Schlussverses (Str. 5): "Und wag's, und wär's nur einen Tag / Ein freies Volk zu sein!" (statt: "Es ist so schön, nur Einen Tag …"). Ansonsten sind die Abweichungen gegenüber dem Erstdruck 1845 minimal, z. B. (Str. 5, Vers 2): "Schlägt mahnend…" (statt: "weht mahnend"). Die 1877 publizierte Fassung sollte in der Folge rezeptionsleitend werden:

       O wag' es doch nur Einen Tag!
  1. Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag
        Im Zorneswetterschein!
    O wag' es doch, nur einen Tag,
        Nur einen, frei zu sein!
    Und ob der Sieg vor Sternenlicht
        Dem Feinde schon gehört –
    Nur einen Tag! es rechnet nicht
        Ein Herz, das sich empört.
  2. O wart in Deiner tiefen Noth
        Auf keinen Ehebund':
    Wer liebt, der gehet in den Tod
        Für eine Schäferstund':
    Und wer die Ketten knirschend trug,
        Dem ist das Sterben Lust
    Für einen freien Athemzug
        Aus unterdrückter Brust. |                                [S.10]
  3. Mag düstre Weisheit fort und fort
        Nur Tod und Schrecken sehn,
    Dem Volk soll vor Profetenwort
        Der Ruf der Ehre gehn.
    Horch' auf, der letzte Würfel fällt,
        Dein Abend, er ist nah,
    Noch einmal stehe vor der Welt
        In deiner Größe da!
  4. O tilg nur einen Augenblick
        Aus deiner Sklaverei,
    und zeig dem grollenden Geschick,
        Daß sie nicht ewig sei;
    Erwach aus Deinem bösen Traum:
        Reif ist, die Du gesucht,
    Und schüttle nicht zu spät vom Baum,
        Wenn sie gefault, die Frucht.
  5. Wach auf! wach auf! die Morgenluft
        Schlägt mahnend an dein Ohr –
    Aus deiner tausendjähr'gen Gruft
        Empor, mein Volk, empor!
    Laß kommen, was da kommen mag:
        Blitz' auf, ein Wetterschein!
    Und wag's, und wär's nur einen Tag,
        Ein freies Volk zu sein!


Georg Herwegh: Neue Gedichte. Herausgegeben nach seinem Tode. Zürich: Verlags-Magazin 1877, S. 9f. DVA: B 50373
last modified 05.12.2013 10:58
 

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