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Liederlexikon

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You are here: Home Lieder Es geht ein dunkle Wolk herein Edition A: Flugschrift 1630
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A. Es geht ein dunckels Wölcklein herein

(Flugschrift 1630)


Text: anonym
 


Das erste Lied.

1. Es geht ein dunckels Wölcklein herein /
mich dunckt es wird ein Regelein sein /
ein Regelein / auß den Wolcken /
wol in das grüne Gras.
 
2. Ja regnet es sehr / so werden wir naß /
bey meinem Buhlen wer mir wol baß /
bey meinem Buhlen alleine /
bey der Hertzallerliebsten mein.
 
3. Ja scheinet die Sonn so werden wir trucken /
bey meinem Buhlen so were gut schmucken /
bey meinem Buhlen alleine /
inn seim Schlaffkämmerlein.
 
4. Wann Gsellen zu Nacht auff der Gassen gahn /
brauns Annelein an dem Laden thut stahn /
ach Annelein bist du drinnen /
stehe auff vnd laß mich ein.
 
5. Ich stehe nicht auff vnd laß dich ein /
mein Thürelein muß verschlossen sein /
mein Thürelein ist verschlossen /
der Rigel der ist für.
 
6. Ich waiß nicht was er dem Maydtlein verhieß /
daß es den Rigel dannen stieß /
sie stieß ihn an eine Ecke /
sie ließ den Knaben ein.
 
7. Ach Annelein laß mich zu dir ein /
auffs Jahr will ich dein eigen sein /
dein eygen will ich bleiben /
das glaub mir sicher zwar.
 
8. Du verhaist mir viel vnnd haltest mir wenig /
vnnd gibest mir weder Häller noch Pfennig /
dann nur ein guldine Hauben /
die ich nicht tragen darf.
 
9. Ein guldine Hauben / ein Perlene Schnur /
damit bind du dein Härelein zu /
Mein Härelein darff keins binden /
muß allezeit fliegen lahn.
 
10. So stehe ich auff mach mich darvon /
so must du nun in Trauren stohn /
inn Trauren muß ich doch dich lassen /
thut dir im Herzen wehe.
 
11. Zeuchst du dahin und lassest mich hie /
was lassest du mir zur letze hie /
ein Kindelein in der Wiegen /
in eim gelb krausen Haar.
 
12. Da griff er in sein Seckelein weiß /
vnd gab ihr zehen Thaler mit fleiß /
nimm hin wol für dein Ehre /
die du verschlafen hast.
 
13. Wer ist uns das Liedlein sang /
ein junger Schnitter ist er genannt /
er sange wol inn der Erndte
bei Meth vnd kuhlen Wein.


Drey schöne newe vnd kurtzweilige Lieder / von einem Schnitter in die Erndte erdacht / Im Thon: Es geht ein dunckels Wölcklein herein / etc. […] Gedruckt im Jahr 1630. Zit. nach Hans Commenda: Weltliche Flugblattlieder des 17. Jahrhunderts. Ein neuer Fund aus Linz an der Donau. In: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 10 (1961), S. 3–20; hier S. 10.
DVA: VZ 435/10


Editorische Anmerkung:
Eine Reproduktion des illustrierten Titelblatts der Liedflugschrift in ebd., Abbildungsteil, Abb. E.
 
last modified 25.04.2013 11:38
 

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