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Der Hungertod in seinem Grimm


Das fragmentarisch erhaltene historische Ereignislied vom "Hungertod in seinem Grimm" wurde um 1921 von russlanddeutschen Siedlern in der Wolgaregion gedichtet. Sein Gegenstand ist die große Hungersnot, von der damals viele ländliche Regionen Russlands betroffen waren.

I. Der bislang einzige bekannte Beleg des Liedes findet sich in einem Aufsatz Guido Waldmanns aus dem Jahr 1933. Dort wird eine Strophe (vermutlich die erste) zitiert (Edition A). Sicherlich hatte das Lied noch weitere Strophen, in denen die akute Notsituation und die Befindlichkeit der Menschen weiter ausgemalt wurde. Thematisiert wird die 1921–22 in verschiedenen Teilen Russlands grassierende Hungersnot, der eine sehr große Anzahl von Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten der Wolgaregion und der Ukraine, zum Opfer fielen.

II. Diese Tragödie von kaum vorstellbarem Ausmaß war eine Folge mehrerer zusammenwirkender Faktoren: in den Jahren 1920–21, gegen Ende des Kriegskommunismus, ließen die Bolschewiki in den landwirtschaftlichen Zentren des Landes große Mengen Nahrungsmittel (vor allem Getreide) einziehen, um die Lebensmittelversorgung in den Städten sicherzustellen. In mehreren Sammelaktionen wurde auch der Eigenbedarf und das für die kommende Aussaat bestimmte Saatgut der Landwirte größtenteils einbehalten. Ob dies mit dem Wissen der Regierung oder durch eigenmächtiges Handeln übereifriger Gehilfen geschah, ist bislang nicht bekannt. Eine Missernte im Jahr 1921 verschärfte die Krise zusätzlich. Auf die Hilfsappelle aus den Gebieten, in denen eine Hungersnot drohte, reagierten die Bürokraten im Zentrum Russlands zögerlich. So eskalierte die Situation. Als Reaktion auf diese Lebensumstände wurde das Lied um 1921 gedichtet. Anfang der 1930er Jahre konnten Gewährspersonen den Text noch erinnern, er war aber nicht mehr Teil ihres aktiven Repertoires.

INGRID BERTLEFF
(Juni 2009)



Weiterführende Literatur
  • James W. Long: The Volga Germans and the Famine of 1921. In: Russian Review 51 (1992), Nr. 4, S. 510–525.


Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: —
  • Gedruckte Quellen: Einzelbeleg aus mündlicher Überlieferung
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: —
Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Phonogrammarchivs St. Petersburg (IRLI) und des Deutschen Musikarchivs (Leipzig) miteinbezogen.



Zitiervorschlag
Ingrid Bertleff: Der Hungertod in seinem Grimm (2009). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/der_hungertod_in_seinem_grimm/>.


© Deutsches Volksliedarchiv
last modified 16.09.2013 12:39
 

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