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Liederlexikon

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You are here: Home Lieder In dem Kerker saßen zu Frankfurt an dem Main Edition H: Handwerker-Liederbuch 1912
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H. Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt an dem Main

(Handwerker-Liederbuch 1912)


Text: anonym

Scan der Editionsvorlage
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Altes Studentenlied.

1. Es saßen sechs Studenten zu Frankfurt an dem Main
Schon seit vielen Wochen fest geschlossen ein,
Weil sie gestritten hatten für ein freies Recht.
Es saßen sechs Studenten der freien Republik.
 
2. Eines Montagmorgens entstand ein großer Sturm,
Da waren sie entflohen aus dem hohen Turm.
Und der Kerkermeister sprach sich täglich aus:
"Wär' ich der Bürgermeister, ich ließe keinen raus!" |[S. 133]
 
3. Doch sie kehrten wieder mit dem Stab zur Hand:
"Wir sind freie Brüder, wir streiten fürs Vaterland;
Wir sind keine Knechte, wir sind freie Herr'n:
Wir streiten für die Rechte, für die Freiheit gern!"
 
4. Sagt, ihr hohen Herr'n, was bildet ihr euch ein?
Glaubt ihr, uns erschrecke Purpurmantels Schein?
Gebt uns euren roten Purpurmantel her;
Der gibt rote Fahnen für ein freies Heer!
 
5. Wenn euch die Leute fragen: "Wo ist Robert Blum?"
So dürft ihr nur sagen: "Der ist erschossen schon;
Er hängt an keinem Galgen, er starb an keinem Strick,
Sondern für den Glauben der freien Republik."
 
6. Einst, wenn man wird bitten, euch um Mitleid fleh'n,
Denkt dann eurer Brüder, die jetzt zugrunde geh'n;
Denn die hohen Herren haben Mitleid nicht,
Und zu unsern Leiden, da lächelt ihr Gesicht.


Otto Kaufmann: Wanderlust. Handwerkslieder, Wanderlieder. 4. verm. und verb. Aufl. Berlin: Otto Kaufmann 1912, S. 132f. (Nr. 109).
DVA: V 3/5338


Editorische Anmerkung:
Der Herausgeber stellte dem Liedtext folgende liedgeschichtlichen Angabe voran:
"Entstammt der 1848er Bewegung. In der freien Stadt (Republik) Frankfurt am Main tagte das deutsche Parlament. Um die Bewegung, welche in Wien ausbrach, zu leiten und beizulegen, wurde Robert Blum, ein bedeutender Volksmann und Redner, dorthin delegiert, verhaftet und trotz seines Geleitbriefes, welcher die Unantastbarkeit seiner Person sicherte, in der Brigittenau erschossen. – Siehe "Robert Blum und seine Zeit" von Wilhelm Liebknecht."

Diese Liedversion ist auch in späteren Liederbüchern in den 1920er Jahren enthalten (ebenso – wortwörtlich – die Informationen zum Lied):
  • Der Wanderfreund. Fritz Ulrich's gesammelte Handwerker-, Wander- u. Arbeiterlieder. Altona-Hamburg: Verlag von Fritz Ulrich o. J. [1921], S. 289f. (Nr. 299).
  •  Louis Mosberg: Frohes Lied. Handwerker-, Wander- und Volkslieder. Bielefeld: Verlag Louis Mosfeld 1925, S. 297f. (Nr. 350).
Im DVA-Exemplar des Liederbuches von Mosberg (V 3/5630) ist zudem handschriftlich vermerkt, dass Fritz Ulrich's "Wanderfreund" noch 1929 in 3. Auflage erschienen ist.

Auch in der Zeit nach 1945 orientierten sich die ersten Lieddrucke an dieser Liedfassung; siehe:
  • Bruno Kaiser: Die Achtundvierziger. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Weimar 1952, S. 412f. (in späteren Auflagen, z. B. 11. Aufl. 1973, S. 374f.).


 
last modified 24.10.2013 10:31
 

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