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Hier zu Wassiani in dem Lager


Die Ballade "Hier zu Wassiani in dem Lager" handelt vom Unfalltod eines russlanddeutschen Soldaten. Sie ist vor rund hundert Jahren im heutigen Georgien entstanden und bislang lediglich als singuläre Aufzeichnung belegt.

I. Text und Melodie von "Hier zu Wassiani in dem Lager" wurden 1927 von dem Philologen Viktor Schirmunski in der russlanddeutschen Siedlung Marienfeld (Kreis Tiflis, damals Transkaukasien) aufgezeichnet. Die Entstehung der Ballade lässt sich zeitlich lediglich grob eingrenzen auf den Zeitraum zwischen 1874 – dem Jahr der Einführung der Wehrpflicht für Russlanddeutsche – und 1928 – dem Jahr der Dokumentation des Liedes. Die Urheber von Text und Melodie sind nicht bekannt. Entstanden ist "Hier zu Wassiani in dem Lager" vermutlich in Marienfeld, dem Ort seiner späteren Aufzeichnung, als direkte Reaktion auf das im Lied berichtete Geschehen (Edition A).

II. In insgesamt dreizehn Strophen wird von einem lokalen Ereignis erzählt: Ein namentlich genannter russlanddeutscher Soldat ist während seines Militärdienstes auf dem Stützpunkt Wassiani durch den Tritt eines Pferdes zu Tode gekommen. Das Lied berichtet von der Benachrichtigung der Eltern des Verstorbenen, der Überführung des Leichnams in das Heimatdorf, dem Begräbnis und der Trauer der Hinterbliebenen. Die männlichen Akteure werden namentlich genannt. Der Text endet mit einer lakonisch formulierten Pointe: Die letzten beiden Strophen beschreiben den Besuch von Wilhelms "Liebchen" – die im Lied anonym bleibt – an seinem Grab; keine drei Wochen nach dem Tod und umarmt von "ein[em] andr[en]". Wie dies damals gedeutet wurde – als allzu rasches Eingehen einer neuen Bindung oder, ganz im Gegenteil, als Glück wieder gebunden und damit materiell versorgt zu sein, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Es ist anzunehmen, dass die Ballade ausschließlich an ihrem Entstehungsort, von den Menschen für die der Text von Belang war, rezipiert wurde. Ob und wie das Lied nach 1928 weiter tradiert wurde, lässt sich in Ermangelung weiterer Quellen bislang nicht sagen.

INGRID BERTLEFF
(Februar 2010)



Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: Einzelbeleg aus mündlicher Überlieferung
  • Gedruckte Quellen: —
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: singuläre Feldaufnahme (Schallplatte)
Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Phonogrammarchivs St. Petersburg (IRLI) und des Deutschen Musikarchivs (Leipzig) miteinbezogen.



Zitiervorschlag
Ingrid Bertleff: Hier zu Wassiani in dem Lager (2010). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/hier_zu_wassiani_in_dem_lager/>.


© Deutsches Volksliedarchiv
last modified 16.09.2013 01:01
 

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