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Du schönes Eupatoria


Das deutsch-russische Mischlied "Du schönes Eupatoria" ist ein humoristisch eingefärbter Lobpreis auf die Annehmlichkeiten des Kurortes Eupatoria auf der Halbinsel Krim (Ukraine). Das Lied entstand vermutlich um 1900 in einer der russlanddeutschen Siedlungen auf der Krim und ist bislang lediglich als Einzelbeleg nachgewiesen.

I. Die Entstehung und frühe Rezeption von "Du schönes Eupatoria" liegt bislang im Dunkeln. Erstmals aufgezeichnet wurde das Lied im Jahr 1927 von dem russischen Philologen Viktor Schirmunski in der russlanddeutschen Siedlung Kolonie Neu Darmstadt auf der Halbinsel Krim (Edition A). Auf welche Melodie "Du schönes Eupatoria" gesungen wurde ist nicht überliefert.

II. Die Hafenstadt Eupatoria (russ. Евпатория) an der Westküste der Halbinsel Krim hat sich um 1900 zu einem beliebten Seebad entwickelt. In dem zweisprachigen Liedtext wird der Schwarzmeerkurort als "wunderschöne Stadt" gepriesen, in der es sich angenehm und vergnügt leben lässt und deren Attraktionen denen in der Umgebung St. Petersburgs in nichts nachstehen. Wichtiger als die Aufzählung der Annehmlichkeiten Eupatorias ist in diesem Lied jedoch das heitere lustvolle Spiel mit den Sprachen. Die Zweisprachigkeit wird zur Reimbildung genutzt. Außerdem werden typische Liedelemente aus der russischen Sprache (wie die Interjektion welche die 2. Strophe einleitet) mit deutschsprachigen Textelementen verknüpft, so dass hier die beiden Alltagssprachen der Russlanddeutschen eine ungezwungene und oft witzige Verbindung eingehen. In Versmaß und Reimschema spielt "Du schönes Eupatoria" auf zwei weitere russisch-deutsche Mischlieder an, die damals auch in der Südukraine populär waren: "Die angenehme Sommerzeit" sowie die Liedparallele "Die angenehme Winterzeit". In der fünften Strophe werden diese beiden Lieder auch inhaltlich zitiert.

III. Zur Rezeption des Liedes gibt es bislang keine Informationen. Generell ist zu beobachten, dass zweisprachige Lieder im Repertoire von Russlanddeutschen ab der Ära des Stalinismus kaum noch vertreten sind. Dies ist wohl einerseits den Auswirkungen der sowjetischen Kulturpolitik zuzuschreiben, andererseits einer zunehmend nationalistisch verengten Perspektive der Liedsammler und -forscher geschuldet.

INGRID BERTLEFF
(März 2010)




Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: Einzelbeleg aus mündlicher Überlieferung
  • Gedruckte Quellen: —
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: —
Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Phonogrammarchivs St. Petersburg (IRLI) und des Deutschen Musikarchivs (Leipzig) miteinbezogen.



Zitiervorschlag
Ingrid Bertleff: Du schönes Eupatoria (2010). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/du_schoenes_eupatoria/>.


© Deutsches Volksliedarchiv
last modified 16.09.2013 01:02
 

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