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You are here: Home Lieder Ach, lieber Gott, wie schwer die Zeit Edition B: Lager Marienbad 1943
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B. Ach lieber Gott, wie schwer die Zeit

(Lager Marienbad 1943)


Text: anonym
Melodie: nach "Steh ich in finstrer Mitternacht"

Scan der Editionsvorlage
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Ach lieber Gott, wie schwer die Zeit

Weise: Steh ich in finstrer Mitternacht.

 
1. Ach lieber Gott, wie schwer die Zeit
Die du uns jetzt hast vorbereit't;
Wir bitten dich um Gnadenzeit,
Die uns nochmals vom Krieg befreit.
 
2. Ach lieber Gott, ich tue Buß,
Weil ich jetzt Abschied nehmen muß,
Von meiner Frau und Kinder mein,
Wer wird wohl euer Vater sein.
 
3. Ach liebe Meine, denket euch,
Was für ein großes Herzeleid
Hab ich mir schon um euch gemacht,
Derweil ich stehe vor der Wacht.
 
4. Nun liebe Frau, jetzt zum Beschluß,
Weil ich jetzt Abschied nehmen muß
So nehme ich von dir ade,
Gott weiß ob wir uns wiedersehn.
 
5. Ach liebe Frau, wie schwer wars mir,
Als ich jetzt Abschied nahm von dir
Und von den lieben Eltern mein
Gott wird doch wohl euer Tröster sein.
 
6. Der liebe Gott hat mich gesandt
Zum Streiten für das Vaterland,
Bis auf den letzten Tropfen Blut,
Gott mach's mit meinem Ende gut!
 
7. Jetzt muß ich in dem Kriege gehn,
Wo viele meiner Brüder stehn;
So viele tod, so viel verwund't,
Dort liegen im Schlachtfeld, gehn zugrund. |[fol. v.]
 
8. Ach lieber Gott, ich bitte dich,
Behüte und bewahre mich;
Der Feind ist ja schon sichtbarlich,
Jetzt geht es auf den Flintenstich.
 
9. Ach lieber Gott, du siehst es gut,
Wie viel ist schon vergossnes Blut,
Wohl um des deutschen Kaisers Macht,
Ein mancher Soldat schon umgebracht.
 
10. Es schreit das Volk zu lauter Stein,
Hinauf zu dir: Ach lieber Gott,
Wann kommt der Tag, sag an geschwind
Wo du dem Krieg ein Ende nimmst.


Aufgezeichnet in einem Durchgangslager der Nationalsozialisten in Marienbad (Mariánské Lázně, Tschechien) am 26. Dezember 1943 durch Albert Brosch; Gewährsperson: Lisa Janzen aus der russlanddeutschen Kolonie Ladekopp, Molotschnaja (Ukraine).
DVA: A 173603

Dort folgende Anmerkung: "Lieder, gesungen von volksdeutschen Rückwanderern aus Rußland und der Ukraine"


Editorische Anmerkung:
Albert Brosch war hauptberuflich Uhrmacher und sammelte in seiner freien Zeit in seiner Heimat in Böhmen bzw. im Egerland eine bemerkenswerte Menge an Volksliedern. Während des Zweiten Weltkriegs sammelte er auch in den Durchgangslagern, welche die Nationalsozialisten dort für die Flüchtlinge aus den zeitweilig unter deutscher Besatzung stehenden Regionen bzw. aus den von Russland eingenommenen Gebieten eingerichtet hatten. Der Terminus "Rückwanderer", der sich im maschinenschriftlichen Liedbeleg des Deutschen Volksliedarchivs findet, ist im Grunde ein Euphemismus für Zwangsumgesiedelte und Flüchtlinge. Geprägt wurde dieser Begriff im Kontext der nationalsozialistischen Pläne eines sogenannten "Generalplans Ost" für die gewaltsame Umgestaltung der Bevölkerungsstruktur in den okkupierten Gebieten.
last modified 19.06.2012 11:50
 

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